Seit Jahrhunderten hat in allen Gesellschaften das Handeln von Gütern einen großen Stellenwert und spielte sogar eine entscheidende Rolle bei der Ausdehnung von Städten. Nicht minder großen Stellenwert hat das „Trading“ im großen Konstrukt Fantasy Football.

Einordung

Was sagt eine zufällig befragte Gruppe von Fantasy Football Enthusiasten? Wie groß der Stellenwert des „Trading“ ist, zeigt folgender Tweet von Februar 2018:

BOOM!! 

Trading scheint der beliebteste Teil von Dynasty Fantasy Football zu sein.

Man bedenke bitte den Zeitpunkt der Umfrage: kurz vor der NFL-Combine! Die gesamte Gemeinde ist im „Rookie-Fieber“, dadurch bekommt das Ergebnis noch einmal eine andere Gewichtung.

Der Prozess als Ganzes, beginnend mit Anfangsgebot, das natürlich direkt abgelehnt wird, die erste Annäherung im Laufe der nächsten Tage, der bisweilen hitzige Austausch, die sich langsam dem Ende neigenden Verhandlungen und letztendlich das Akzeptieren des Angebots, befriedigt das zutiefst menschliche Bedürfnis eines guten Handels. Jeder, der schon einmal einen Trade gemacht hat, um genau den einen Spieler zu bekommen und ihn dann auch noch bekommen hat, weiß wovon hier gesprochen wird.

Auftretende Fragen

Das Traden ist ein so großes Feld, so dass wir gar nicht alle Fragen auf einmal klären können. In einem ersten Schritt formulieren wir Fragen und versuchen im Laufe dieser Serie jeden Bereich zu beleuchten.

  • Warum traden? Welchen Ansatz verfolge ich beim Traden überhaupt?
  • Wann traden? Hat es im Laufe der zwölf Monate bestimmte Zeitfenster, die günstig für den Erwerb von Spielern sind?
  • Wen traden? Auf welchen Spieler sein Augenmerk legen? Welche Faktoren sind richtungsweisend?
  • Wie traden? Gibt es Verhandlungsgrundlagen, die man unbedingt beachten sollte?

Die Sinnfrage nach dem „Warum?“ kann viele verschiedene Gründe haben, den einen Grund gibt es nicht. Hier ein paar mögliche Ansätze:

  1. Mist! Bye-week
  2. Was ein Pech: die Verletztenmisere!
  3. Reaktion auf aktuelle Entwicklungen in der realen NFL
  4. Was sagen die Verträge…
  5. Tiefe auf einer Position
  6. Die Play-Offs rücken näher
  7. Der Broker-Ansatz

1. Mist! Bye-week

Da ist sie. Und wenn der Gedanke kommt, ist der Fehler sowieso schon passiert. Jetzt mach bloß keinen Fehler. Sechs Jungs aus deinem 10-Mann-Starting-Line-Up haben eine Bye-Week, du hast darauf null acht gegeben und übermorgen ist Spieltag. Der Waiver gibt nichts her, was kannst du jetzt noch tun? Ah, richtig, schnell einen Trade machen. Stop!!! Nein, nicht machen. Wirklich.

Folgende Szenarien erlauben es trotzdem:

  • Es gab einen Trade, den Du sowieso machen wolltest und dein Gegenüber hat nicht darauf acht gegeben, in welch bescheidenden Situation du feststeckst.
  • Du spielst um den Titel, der Sieg jetzt wäre Gold wert und wir befinden uns kurz vor Ende der Regular-Season.

Ansonsten: schluck die Kröte, nimm das Beste vom Waiver Wire und mach ja keinen Fehler, in dem du den Trade erzwingst. Du wirst es bereuen.

2. Was ein Pech: die Verletztenmisere!

NFL-Spieler sind eine Art moderne Form von Gladiatoren und die wiederum hatten bekanntermaßen sehr kurze Lebenserwartungen. Gehirnerschütterungen (werden Gott sei Dank strenger begutachtet als noch vor einigen Jahren), Verletzungen im Oberkörper und natürlich Verletzungen der unteren Extremitäten sind an der Tagesordnung. Vergessen wir nicht Björn Werner Aussage: „Die Saison fühlt sich ungefähr so an, als hättest du jede Woche einen Autounfall.“ Selbstverständlich wird es auch Spieler aus deinem Team treffen. Trotzdem solltest du kühlen Kopf bewahren und erstmal schauen, wie lange dein Spieler ausfällt. Welche Spieler könnten seinen Platz einnehmen, solange er verletzt ist und wie stehen Deine Chancen allgemein? Wenn du sowieso abgeschlagen in der Tabelle bist, macht ein Trade wenig Sinn. Nimm die Niederlagen in Kauf – es bringt Dir zumindest einen höheren Pick im nächstjährigen Rookie Draft ein.

3. Reaktion auf aktuelle Entwicklungen in der NFL

Keelan Cole von Jaguars war nur wenigen ein Begriff vor der Saison. Dann verletzte sich Allen Robinson in Woche 1 und Cole wuchs immer mehr in seine Rolle als starting WR rein. Gegen Ende der Saison hatte er eine sehr wichtige Rolle im Kader der Jaguars eingenommen.

Jedes Jahr wandern Spieler im internen Positionsranking ihres Teams auf und ab. Diesen Trend über die Anzahl der Snaps und Targets im Blick zu behalten und dann zum richtigen Zeitpunkt diese Spieler günstig zu erwerben ist ein hervorragender Grund für einen Trade.

4. Was sagen die Verträge…?

Es gibt Positionen, die teurer oder günstiger zu ersetzen sind. Running Back ist eine dieser „günstigeren“ Positionen im Bezug auf das Gehalt. Man kann die Vertragskonstruktion untersuchen (das Entlassen von Spielern kostet manchmal sehr wenig bis gar nichts) und so erkennen, wann ein Spieler wahrscheinlich von seinem Team entlassen wird. Konsequenz daraus: der nächste Spieler im Depth Chart rückt auf. Nur ist der jetzt nicht mehr günstig. Vertragslaufzeiten und Entlassungskosten im Blick zu behalten macht also durchaus Sinn.

5. Tiefe auf einer Position

Es hat noch nie geschadet, wenn man auf einer Position nachlegen kann. Verletzungen, Suspendierungen und mannschaftsinterne Strafen können schnell mal eine Position ausdünnen. Solltest Du aber erst dann auf die Idee kommen Trades anzuleiern, wird dein schlauer Gegenspieler das zu Deinen Ungunsten ausreizen. Gute Trades machst du dann, wenn Du keinen Druck hast etwas machen zu müssen.

6. Die Play-Offs rücken näher

Es geht um die Wurst, Du bist mittendrin und die Trade Deadline rückt näher. Abwägen ist angesagt. Lohnt es sich Haus und Hof dafür aufzugeben, um Champion zu werden? Wir neigen zu der Annahme, dass wir es schaffen könnten, um dann festzustellen, dass wir hoffnungslos übertrieben haben, um den Spieler zu bekommen. In unseren Berechnungen ging doch alles so schön auf…

7. Der Finanz-Ansatz

Gehen wir das Ganze so an, als würden wir uns ein Aktienportfolio zusammenstellen. Und wenn du das Gefühl hättest Du könntest durch das Hinzunehmen einer guten Aktie und das Abstoßen einer schlechten Aktie dein Gesamtportfolio verbessern, würdest Du es tun? (Achtung: das war eine rhetorische Frage) So ist es auch um dein Fantasy-Team bestellt. Es geht immer darum den Gesamtwert deines Teams zu erhöhen. Spieler mit einem hohen Wert erhöhen deine Siegchancen. Und nur darum geht es beim Fantasy Football!

Fazit

„Es gibt immer was zu tun“ ist nicht nur ein Werbespruch, sondern Dein ganzjähriger Leitgedanke im Aufbau Deines Teams. Es ist natürlich möglich, dass Du die Saison mit dem Team abschließt, mit dem du es auch begonnen hast. Das ist aber eher ein Zeichen mangelnder Flexibilität, Faulheit und falsch verstandene Loyalität zu den eigenen Spielern.