Das Objekt der Begierde

Off-Season. Bis zum NFL-Draft zieht sich die Zeit noch so verdammt lange hin. Und obwohl wir mit einem Auge bei der Rookie-Evaluierung sind, ist da doch dieser eine (oder es sind gleich mehrere) Spieler, der es uns angetan hat. Der uns immer wieder im Kopf rumspukt. Uns förmlich darum anfleht, doch endlich in unserem Team auflaufen zu können. Aber ist es auch der richtige Spieler? Und woran kann man erkennen, dass es der richtige Spieler ist? Wir hatten uns vorab schon mit dem Traden an sich und dem richtigen Zeitpunkt befasst. Schwerpunkt heute ist das korrekte Vorgehen bei der Spielerauswahl und die Aspekte, die dabei eine Rolle spielen. Dabei konzentrieren wir uns nur auf die Position des Running Backs und des Wide Receiver.

 

I. Das Salz in der Suppe – die Running Backs

Der Hashtag #RBdoesntmatter hat es auf Twitter mit fortlaufender Saison zu immer größerem Bekanntheitsgrad gebracht und fand seinen Höhepunkt in den Playoff-Leistungen von Damian Williams (Kansas City) und C.J. Anderson (Los Angeles Rams). Zwei RB, die keiner vor der Saison auf dem Zettel hatte. C.J. Anderson war sogar nach seinem Wechsel von den Denver Broncos zu den Carolina Panthers und seiner Entlassung dort sehr lange arbeitslos. Wichtig ist in dem Zusammenhang zu verstehen, an wen dieser Hashtag eigentlich gerichtet ist: an den Real-Life NFL-General Manager. Die Diskussion über „Hätten die Giants an 1.02 wirklich Barkley picken sollen?“ wurde von Experten schon mit einem klaren „Nein“ beantwortet. Für uns „Fake-General Manager“ stellt sich die Situation völlig anders dar. RBs sind das Gerüst unserer Teams und spielen eine herausragende Rolle.

 

Wer macht die Punkte?

RB WR 2018 2014 top scorer - #dynastytrades 3.0 - den richtigen Spieler aussuchen

Wir haben die Top-Scorer, aufgeteilt nach jeweiligem Spielformat, mal aufgelistet. Zu verstehen ist das so: in der Saison 2018 waren im Standardformat fünf RB im Jahresranking vor dem ersten WR aufgeführt. Der Trend geht die letzten Jahre deutlich hin zu Running Backs als Top-Scorer, sogar im PPR-Format. Auf Points/Game-Basis waren es sogar derer sechs (Todd Gurley, Christian McCaffrey, Melvin Gordon, Saquon Barkley, Alvin Kamara, James Conner), bis dann Devante Adams als erster WR im Ranking auftaucht. Von den Top-24-Spielern aller Teams, die sich auf ESPN für die Playoffs qualifiziert haben, waren 62,5% RBs! Und das, obwohl auch Team-Defenses in das Ranking mit eingepflegt sind.

Es lohnt sich also bei RB etwas genauer hinzusehen. Die Frage ist nur, welcher Typ RB ein gutes Trade-Ziel darstellt?

 

Der Typ RB ist der Richtige?

Grundsätzlich ist niemand so auf den Kopf gefallen, einen seiner Top-RBs (Todd Gurley, Saquon Barkley, Ezekiel Elliott, Christian McCaffrey, Alvin Kamara) unter Wert herzugeben. Diese Spieler bilden das Fundament eines Teams und tragen oft das Prädikat „unverkäuflich„. Wir müssen an anderer Stelle nach Lösungen suchen. Die Grundregel in #FantasyFootball ist einfach: Volume is king! Schauen wir also nach Spielern, bei denen wir uns sicher sind, dass sie genannte Volume bekommen. RB-Volume entsteht über Carries und Receptions. Zusammengefasst werden diese als Touches.

Der Blick auf die Top12-RB in Fantasy-Points/Game (FP/G) in 2018 zeigt folgendes:

  • acht von zwölf RB (66,6%) sind ebenfalls Top12 in Carries/Game (C/G),
  • acht von zwölf RB (66,6%) sind ebenfalls Top12 in Receptions/Game (Rec/G),
  • vier von zwölf RB (33,3%) sind sowohl in G/G, als auch in Rec/G in den Top12,
  • man kam sich nicht für die Top12 in FP/G qualifizieren, wenn man nicht in den Top12 in C/G oder Rec/G war.

Es geht also darum, nach RBs zu schauen, die über ein komplettes Profil verfügen. Komplett bedeutet in dem Zusammenhang, dass sie in einer der beiden Teildisziplinen – rennen und fangen – sehr gut und in der anderen mindestens akzeptabel sind. Zwar kamen auch Leonard Fournette als #RB25 & Kareem Hunt als #RB29 in Rec/G und James White als #RB62 in C/G in die Top12 in FP/G, aber optimalerweise sind sie sowohl gute Runner als auch gute Receiver. Einziger Haken bleibt die „Unverkäuflichkeit“ dieser Star-RB.
Es gibt nur eine kleine Gruppe an Spielern, die teuer, aber nicht zu teuer sind: junge RBs mit außergewöhnlichem Talentprofil, die im Jahr zuvor enttäuscht haben oder noch keinen endgültigen Breakout hatten.

Hier ein paar Beispiele aus den letzten drei Jahren:
(PPR-Format; FP/G)

  • Saison 2015: Melvin Gordon #RB59 → 2016 #RB6
  • Saison 2016: Todd Gurley #RB24 → 2017 #RB1
  • Saison 2017: Joe Mixon #RB31 → 2018 #RB9

All diese Spieler hat man nach ihren enttäuschenden Saisons für deutlich weniger als vor der Saison bekommen. Es geht nicht darum, gute Spieler für sehr wenig ertraden zu können. Es geht darum, im Moment des gefallenen Preises auf dem Markt zuzuschlagen.

Die Zukunft

Natürlich können wir nicht in die Zukunft sehen. Wir sind aber in der Lage, die vorher genannten Puzzlestücke zu einem Bild zusammenzusetzen. Gesagt getan. Als RB#22 (FP/Game) ist hier ein Spieler aufgeführt, der für größeres berufen ist.

Ladies and Gentleman, wir stellen vor: Mr. Nick Chubb!

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(via playerprofiler.com)

Nick Chubb verfügt über die Physis viele Touches wegstecken zu können (BMI Wert über 30, 81%), ist ein hervorragender Athlet (98% SPARQ-x Score) und die Cleveland Browns haben unter der neuen Führung ihr Punkte pro Spiel auf 23,8 steigern können (+2,7 P/G). Fakt ist, dass Chubb im Passing Game kein Gurley, Gordon oder Mixon ist. Er steht ihnen aber im Run Game in nichts nach und seine Receiving-Fähigkeiten sind absolut in Ordnung. 20 Catches für 149 Yards lässt Raum für mehr Volumen. Insgesamt sind es aber sehr gute Aussichten dafür, dass sich das Talent und eine gute Ausgangslage in Cleveland treffen und Chubb der nächste junge Top-RB ist.

 

II. Wide Receiver – auf der Suche nach Targets & Co.

Leider fallen die Top-WR nicht vom Himmel und man findet nicht viele Alphas auf der Position. Dazu geht der Trend insgesamt in der Liga mehr zu 11-Personal (1 RB, 1 TE und 3 WR), was insgesamt eine Umverteilung der Target Share (prozentualer Anteil an Targets) zur Folge hat. So gibt es weniger ultra-dominante X-Receiver. Stattdessen werden insgesamt mehr Receiver mit ins Passspiel einbezogen, insbesondere auch die Running Backs. Dennoch gibt es ein paar wichtige Kriterien, auf die man sich bei der WR-Suche begeben kann.

 

Target Share, frei gewordene Targets und die heiligen Drei

Das wichtigste Kriterium für gute Statistiken als WR bleiben Targets. Nur wer oft genug das Ei in seine Richtung geworfen bekommt, kann auch einen Catch machen.
Werfen wir einen Blick auf die Top-24-WR der Liga bezüglich ihrer Target Share in 2018:

Top24 WR market share 1 - #dynastytrades 3.0 - den richtigen Spieler aussuchen

Auffällig ist der Typ an WR, der die meisten Targets in einem Team bekommt. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Outside-Receiver und Inside-Receiver (Slot). Wenn wir Slot-Receiver so definieren, dass sie über 50% ihrer Snaps aus dem Slot gespielt haben, scheiden sieben WR aus: Jarvis Landry, Emmanuel Sanders, JuJu Smith-Schuster, Robert Woods, Larry Fitzgerald, Keke Coutee, Doug Baldwin. Ergo: 71% der Top24 in Target Share sind Outside-Receiver.

Interessant ist der Zusammenhang mit der Anzahl in Fantasy Points/Game in 2018:

fp game target share - #dynastytrades 3.0 - den richtigen Spieler aussuchen

Beeindruckende 79,2% der Top24 in Target Share tauchen in den Top24 in FP/Game auf.
Jarvis Landry, Corey Davis, Larry Fitzgerald, Doug Baldwin und Keke Coutee fallen aus dem Raster. Alshon Jeffery hat mit 19,5% Target Share als schlechtester WR in FP/G unter den Top24 (Platz 23) immer noch einen sehr überdurchschnittlichen Anteil an Targets in der Eagles Offense.

Wenn man beide Listen zusammenlegt, fällt auf: Slot-Receiver haben eine geringer Wahrscheinlichkeit in die Top24 vorzustoßen.
4 von 5 Slot-Receivern schaffen es trotz Top24-Target Share nicht in die Top24 in FP/Game (Landry, Fitzgerald, Baldwin, Coutee).
Allerdings sind 3 von 5 WR, die anstatt derer in den Top24 in FP/G auftauchen, Outside-Receiver (Fuller, Cooper, Jeffery).

Erstes Zwischenfazit: wir suchen tendenziell eher Ouside-Receiver mit einem hohem Target Share.

Um im Hinblick auf die neue Saison 2019 sich einen guten Überblick zu verschaffen, lohnt es sich auf durch Abgänge frei gewordenen Targets und die Einordnung derer im teaminternen Gebilde zu schauen:

available targets - #dynastytrades 3.0 - den richtigen Spieler aussuchen

(via rotoworld.com)

Während es also bei den Los Angeles Rams keine großen Veränderungen geben wird, kann man bei den Baltimore Ravens, Jacksonville Jaguars, Pittsburgh Steelers, Tempa Bay Buccaneers, Oakland Raiders und New England Patriots größere Veränderungen erwarten. Macht das dann automatisch den WR, der in der Free Agency mit den Baltimore Ravens einen Vertrag abschließt, zum besten Trade Target?

Die „heiligen drei Faktoren“

Es ist natürlich nicht so einfach, dass man sich einfach nur den einen Faktor konzentriert und sich nur daran orientiert. Diesen einen Faktor gibt es nicht. Man muss Teil für Teil des Puzzle zusammensetzen, um zu einem sinnvollen Ergebnis zu kommen. Drei weitere Faktoren, die es neben der Target Share zu bedenken gilt, sind:

  • Die QB-WR Korrelation
  • WR, die das Team wechseln
  • Year-3 Breakout

1. Die QB-WR Korrelation

Entscheidend für beständig gute WR-Leistungen ist etwas, worauf der WR keinen Einfluss hat: die Qualität seines QB. John Bales erklärt in seinem Artikel ausgiebig den Zusammenhang zwischen WR und gutem QB-Play. „When a quarterback has a top-four performance, there’s a 40 percent chance that his No. 1 wide receiver also has a top-four performance and a 33 percent chance that it happens for his No. 2 wide receiver.“ Eine sehr deutliche Aussage, die unseren Kreis an potentiellen Trade Targets nochmals verkleinert. Wir suchen nach Outside-WR, die in ihrem Team die höchste Target Share haben und gleichzeitig mit einem überdurchschnittlich guten QB zusammen spielen.

2. WR, die das Team wechseln

WR, die das Team wechseln, performen – aus Fantasy-Sicht – schlechter als erwartet. Dies hat Brandon Gdula in seinem Artikel belegt.

3. Year-3 Breakout

Natürlich wünscht man sich einen WR, der sofort in Jahr eins einschlägt. Die Anzahl derer, die das aber schaffen, hält sich in Grenzen. Der Übergang vom College in die NFL ist körperlich und mental ein immenser Sprung. Daher ist es wahrscheinlicher, dass viele WR nicht in Jahr eins und auch nicht in Jahr zwei ihren Breakout haben. Die Jungs von den Fantasy Footballers haben sich der Thematik mal angenommen und aufgezeigt, welche Spieler unter diese besondere Kategorie fallen. Aus der WR-class von 2016 beispielsweise hatten Brandin Cooks, Adam Thielen und Davante Adams ihr bestes Jahr in eben besagtem dritten Jahr.

Schlussfolgerung

Kriterien wurden aufgestellt, WR Depth Charts durchsiebt und unter Betrachtung aller Faktoren engt sich der Kreis auf folgende Spieler ein. Wir gehen davon aus, dass diese eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, um ein Star-WR in 2019 zu werden:

  • JuJu Smith-Schuster: Nach dem Trade von Antonio Brown zu den Oakland Raiders wird er mehr Outside aufgeboten werden. Die Steelers waren schon das #1 Passing Team in 2018 und JuJu schloss die Saison als WR #9 ab (0,5 PPR, FP/g). Warum nicht ein Top3 WR in 2019? „Go for Superstar!
  • Kenny Golladay: Die Lions haben viele Targets zu vergeben, Golladay ist klarer Outside-WR und die auch die Nr.1 im Passing Game. Das QB-Spiel von Stafford war nur letztes Jahr unterdurchschnittlich. In sechs der letzten acht Saisons war er Fantasy-QB1, fatalerweise nur eben auch letzte Saison nicht. Größter Year-3-Breakout-Kandidat und sehr wahrscheinlich ein Top-12-WR!
  • Chris Godwin: Die Gebete wurden erhört. DeSean Jackson ist nicht mehr in Tampa Bay. Adam Hamphries ist ebenso weg. Die Folge könnte so aussehen: 59 catches, 1165 Yards und 11 TD – das wären Godwins Zahlen nur aus den Spielen ohne DeSean Jackson auf eine ganze Saison hochgerechnet. Wir sehen Godwin  in den Top24 nach Ende der Saison 2019. Ebenfalls ein sehr großer Year-3-Breakout-Kandidat.

Weitere zwei Spieler, die noch nicht als Star-WR wahrgenommen werden, aber denen man eine sehr gute Saison zutrauen kann:

  1. Corey Davis: Er hatte schon eine hohe Target Share. Marcus Mariota hat die letzten zwei Saisons allerdings nicht gut gespielt. Seine TD-Rate lag 2018 bei 3,32% und 2017 sogar nur bei 2,87%. Durchschnitt ist um die 4,5%. Wir können von ihm einen Aufschwung erwarten. Helfen kann dabei auch, dass der neue Offensive Coordinator der Titans, Arthur Smith, dieses Mal schon im Coaching Staff bei ihnen gewesen ist (ansonsten 5 neue Coordinator in 5 Saisons!) und Mariota nicht komplett alles neu erlernen muss.
  2. Robby Anderson: Gut Ding will Weile haben! 9,2 Targets in den letzten 5 Spielen in 2018, was knapp 150 Targets auf die Saison hochgerechnet machen würde. Das Zusammenspiel mit Sam Darnold wurde besser. Und dieser ist ein Phänomen. Man darf nicht vergessen, dass er immer noch nicht einmal 22 Jahre alt ist und schon seine erste Saison hinter sich hat. Da ist so viel Raum, gemeinsam mit Robby Anderson zu wachsen.

 

Fazit

Weniger als die genannten Namen, geht es beim Auserkoren des „Objekts der Begierde“, um den sinnvollen Prozess dahinter. Wir können, auch unter Heranziehung aller Faktoren, nicht sicher sein, was die Zukunft bringt. Wir können aber durch planvolles Vorgehen Namen ausfindig machen, die in das gesuchte Schema passen und so zumindest die Wahrscheinlichkeit für einen guten Griff steigern. Um nichts anderes geht es beim Fantasy Football!

 

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Emin

Buffalo Bills seit Mitte 90er und Dynasty Fantasy Football forever. Lieblinge: Derrick Henry und Jerrick McKinnon.