Nachdem ich euch beim letzten Mal bereits ein paar Namen mit auf den Weg gegeben habe, die ihr euch mal genauer anschauen solltet, füge ich dieser Liste heute noch den ein oder anderen Namen hinzu. Hier geht’s zu Teil 1 meiner Vorstellung der Running Backs.

(Die folgende Reihenfolge ist kein Ranking)

 

Devine Ozigbo (Nebraska, Senior, 6’0, 235 lbs)

„the sleeper RB you want on your team“ (The Draft Network)

Rushing & Receiving Table
RushingReceivingScrimmage
YearSchoolConfClassPosGAttYdsAvgTDRecYdsAvgTDPlaysYdsAvgTD
*2015NebraskaBig TenFRRB8382095.5156212.40432716.31
*2016NebraskaBig TenSORB9974124.25510020.001025125.05
2017NebraskaBig TenJRRB101294933.83161237.701456164.23
2018NebraskaBig TenSRRB1215510827.012232038.8017812857.212
CareerNebraska41921965.2214948810.0046826845.721
Provided by CFB at Sports Reference: View Original Table Generated 2/21/2019.

 

Wenn man von den Top-Prospects der Running Backs in diesem Jahr redet, wird Devine Ozigbo oft vergessen. Dabei bringt er viele Voraussetzungen mit, um ein produktiver Running Back in der NFL werden zu können: Er ist ein geduldiger, aber dennoch harter Runner, der sich vor allem über seine gute Fußarbeit und Antizipation auszeichnet. Seine Cuts und Stutter-Steps sind schnell und präzise, auch wenn ihnen die Explosivität fehlt, um sich schnell von den Verteidigern lösen zu können. Dennoch ist er für die Verteidiger nur sehr schwer zu tackeln, was durch seine unglaubliche Balance noch verstärkt wird. Nur selten bringt ihn der erste Kontakt aus dem Gleichgewicht, was ihm oft den ein oder anderen zusätzlichen Yard verschafft. Ein weiterer Pluspunkt für Devine Ozigbo ist sein Football-IQ. Er sieht schnell, wann er die Zeit hat, seine Blocks aufbauen zu lassen, und wann er zurück zur Line of Scrimmage muss. Das macht ihm zu einem äußerst brauchbaren Short-Yardage Running Back.

Warum er dennoch unter dem Radar fliegt, lässt sich in erster Linie durch seine Produktivität in den ersten drei Jahren bei Nebraska erklären. So wurde er von Jahr zu Jahr ineffektiver (von 5,5 Yards pro Versuch über 4,2 bis 3,8 Yards pro Versuch im Junior Year). Und auch seine Touchdown-Zahl konnte er nie auf über 5 steigern. Doch sein Senior-Year hob ihn aus der Versenkung. Career-highs in Rushing Yards (1082),  Receiving Yards (203),  Yards pro Versuch (7,0) und in Sachen Touchdowns (12) beförderten ihn aus dem Nichts in die Notizblöcke der NFL-Scouts. Und das war kein Zufall, denn in der Off-Season zwischen seinem Junior- und Senior-Year arbeitete er hart an seiner Fitness und Physis. Für einen Spieler wie Devine Ozigbo ist dies immens wichtig. Aufgrund seiner Größe (6’0) hat er gegenüber seinen kleineren Kollegen im Laufspiel einen gewissen Nachteil: Kleine Running Backs können leichter hinter den großen Line-Spielern „verschwinden“ und sind so von den gegnerischen Verteidigern schwieriger ausfindig zu machen. Durch die kürzeren Beine sind sie außerdem wendiger, da sie wesentlich schnellere Richtungswechsel vollführen können. Deshalb müssen größere Running Backs, wie Ozigbo, mehr über die Physis kommen, um sich so auf andere Art und Weise einen Vorteil verschaffen zu können. Ozigbo ist ein gutes Beispiel dafür, wie größere Running Backs von einer Verbesserung ihrer physischen Voraussetzungen profitieren können (Vergleiche: Statistiken Junior-Year und Senior-Year).

Woran er allerdings noch arbeiten muss, sind seine Fähigkeiten im Passing Game. Obwohl er körperlich die richtigen Voraussetzungen hat (6’0, 235 lbs), zeigte er vor allem durch mangelnde Technik Schwierigkeiten in der Pass Protection gegen den Inside-Rush. Als Passempfänger dagegen hat er eine solide Grundlage, auf der er aufbauen kann. Zwar hat er nicht die besten Hände, wenn man ihn mit den Elite-Running Backs in der NFL vergleicht, doch sind sie solide. Seine Stärke im Receiving Game ist seine Fähigkeit im Run after Catch. Hier zeigt sich erneut seine gute Antizipation und sein Verständnis für die Dinge, die vor ihm passieren (Bewegung der Safeties, Blockarbeit seiner Mitspieler).

Der Nebraska-Running Back ist zwar nicht der beste Running Back-Prospect der diesjährigen Draftklasse zu diesem Zeitpunkt, doch merkt euch: Don’t sleep on Devine Ozigbo.

Voraussichtliche Runde im NFL-Draft: 4-7

 

Joshua „Josh“ Jacobs (Alabama, Junior, 5’9, 216 lbs)

Rushing & Receiving Table
RushingReceivingScrimmage
YearSchoolConfClassPosGAttYdsAvgTDRecYdsAvgTDPlaysYdsAvgTD
*2016AlabamaSECFRRB14855676.741415611.10997237.34
*2017AlabamaSECSORB11462846.211416812.02604527.53
*2018AlabamaSECJRRB151206405.3112024712.431408876.314
CareerAlabama25114915.9164857111.9529920626.921
Provided by CFB at Sports Reference: View Original Table Generated 2/22/2019.

 

Josh Jacobs ist das Running Back-Prospect, um den aktuell der größte Hype herrscht. Und dass, obwohl er am College gar nicht so die großen Zahlen auf’s Board gebracht hat. Das lässt sich aber leicht anhand der Situation in Alabama erklären: Unter den Running Backs wurde extrem viel rotiert und Jacobs war fast nie der Starter. Meistens musste er Damien Harris den Vortritt überlassen.

Warum also der Hype um einen Spieler, der sich nicht einmal am College als klarer Starter durchsetzen konnte?

Jacobs ist ein sehr physischer Runner, der gerne harte Hits gegen seine Verteidiger austeilt, aber auch durch seine kleine und kräftige Statur (5’9, 216 lbs) so gebaut ist, dass er selbst gut einstecken kann. Zudem verfügt er über eine außergewöhnlich gute Übersicht und sieht so schnell, wo sich Lücken in der Verteidigung auftun. Durch seine abrupten Cuts, die er schnell und explosiv ausführen kann, attackiert er diese Lücken gut mit der richtigen Mischung aus Härte und Entschlossenheit. Es gibt fast keinen Weg, mit dem er nicht in der Lage ist, an einem Gegner vorbeizukommen. Er lässt sie durch Körpertäuschungen ins Leere laufen, weicht aus, springt über sie drüber und kann sie zur Not auch überlaufen. Hinzu kommen seine für einen Running Back sehr guten Fähigkeiten im Passing Game. Er verfügt über ein bemerkenswert gutes Route Running, wodurch er sowohl aus dem Backfield als auch als Receiver aufgestellt gefährlich werden kann. Er hat gute Hände, um die ihn manch ein Wide Receiver-Prospect beneiden dürfte. Seine größte Stärke ist seine Blockarbeit im Passspiel. Er kann den gegnerischen Blitz gut lesen und blockt aufopferungsvoll für seinen Quarterback. Manche sagen, er könne in dieser Hinsicht der Beste sein, den es in den letzten acht Jahren gegeben hat. Daran sieht man ganz gut, was Josh Jacobs für ein Typ ist. Er ist ein absoluter Teamplayer und ist sich für keinen Job zu schade, der dem Team helfen kann, zu gewinnen. Und auch die Tatsache, dass er am College noch nicht so verbraucht wurde, kann von den NFL-Scouts durchaus als positiv gewertet werden.

Doch genau das ist etwas, wo man auch ein Fragezeichen setzen kann und vielleicht sogar muss. Jacobs muss erst noch beweisen, dass er einem hohen Workload in der NFL gewachsen ist, denn dem war er selbst auf dem College noch nicht ausgesetzt. Wenn man nach Schwächen von Josh Jacobs sucht, stößt man immer wieder auf das Wort „Speed“. Das ist aber etwas, wo die Analysten dann wirklich etwas gesucht haben, nur um etwas zu finden. Denn Jacobs verfügt über guten Speed. Er ist zwar nicht überragend und wird nicht der schnellste Running Back der NFL-Geschichte sein, doch ist das nichts, weswegen er sich verstecken müsste.

Dennoch kommt es für Josh Jacobs darauf an, bei welchem Team er im Draft landet. Er ist kein Ezekiel Elliott, Saquon Barkley oder Leonard Fournette, bei denen es egal war, wohin sie gehen, da sie überall abliefern können. Doch landet er in der richtigen Situation, spricht vieles dafür, dass er der #1 Running Back in eurem Rookie-Draft werden wird.

Voraussichtliche Runde im NFL-Draft: 1

 

Rodney Anderson (Oklahoma, Red Shirt Junior, 6’1, 220 lbs)

Rushing & Receiving Table
RushingReceivingScrimmage
YearSchoolConfClassPosGAttYdsAvgTDRecYdsAvgTDPlaysYdsAvgTD
*2015OklahomaBig 12FRRB2155.00000155.00
*2017OklahomaBig 12SORB1318811616.2131728116.5520514427.018
*2018OklahomaBig 12JRRB21111910.830001111910.83
CareerOklahoma20012856.4161728116.5521715667.221
Provided by CFB at Sports Reference: View Original Table Generated 2/23/2019.

 

Rodney Anderson ging im Sommer dem allgemeinen Konsens der NFL-Scouts nach als einer der besten, wenn nicht sogar als der beste Running Back der diesjährigen Draft Class in die Saison. Und es deutete sich eine überragende Saison an: Er benötigte lediglich 11 Carries für 119 Yards und 3 Touchdowns. Unglaublich! Doch beendete ein Achillessehnenriss seine Saison abrupt. Das spiegelt seine bisherige Karriere am College ziemlich gut wieder. Ein unglaublich talentierter Running Back mit einem enormen Verletzungspech. Als Freshman brach er sich das Bein, vor Beginn seines zweiten College-Jahres brach er sich einen Wirbel und fiel die gesamte Saison aus und dann eben diese Verletzung zu Beginn der abgelaufenen Saison. Lediglich eines der letzten vier Jahre konnte er verletzungsfrei absolvieren. Diese Verletzungshistorie dürfte wie ein Berg zwischen ihm und seinem Traum von einer erfolgreichen NFL-Zukunft stehen.

Doch was für einen Spieler bekäme eine Franchise, die allen Red Flags zum Trotz im Draft zuschlagen sollte? Einen enorm talentierten. Rodney Anderson ist zwar kein klassischer Power Back, doch zumindest am ehesten dieser Kategorie zuzuordnen. Für einen Spieler seiner Statur (6’1, 220 lbs) ist er sehr schnell und wendig. Im Vergleich zu anderen, kleineren Running Backs kann er in Sachen Speed und Explosivität sicherlich nicht mithalten, doch bei ihm ist die Kombination aus Größe, Speed und Physis eine enorme Waffe. Dadurch ist er immer wieder in der Lage, Tackles zu durchbrechen und zusätzliche Yards herauszuholen. Hinzu kommt sein für einen Spielertyp wie ihn unglaubliches Talent im Receiving-Game. Er hat enorm gute Hände und ein ausgeprägtes Verständnis für das Route Running aus dem Backfield. So schafft er es wiederholt, Big Plays als Receiver zu kreieren.

Obwohl seine Statur wie geschaffen ist, um ein guter Blocker in der Pass Protection zu sein, zeigt er in dieser Hinsicht Schwächen. Das ist nicht ungewöhnlich für Rookie-Running Backs und ist etwas, das er lernen muss, wenn er in der NFL bestehen will. Sollte er sich in diesem Bereich allerdings verbessern, kann er sich zu einem äußerst produktiven Every-Down-Back entwickeln. Allerdings wird er darauf hoffen müssen, dass ein Team bereit ist, das Risiko seiner Verletzungsanfälligkeit einzugehen und ihm diese Chance zu geben. Aufgrund dessen wird er sicherlich kein früher Pick sein, könnte sich aber in einiger Zeit als Steal entpuppen. Das Motto lautet: High Risk – High Reward.

Voraussichtliche Runde im NFL-Draft: 3-4

 

Elijah Holyfield (Georgia, Junior, 5’10, 215 lbs)

Rushing & Receiving Table
RushingReceivingScrimmage
YearSchoolConfClassPosGAttYdsAvgTDRecYdsAvgTDPlaysYdsAvgTD
*2016GeorgiaSECFRRB36294.8011919.007486.90
*2017GeorgiaSECSORB10502935.92144.00512975.82
*2018GeorgiaSECJRRB1415910186.475408.0016410586.57
CareerGeorgia21513406.297639.0022214036.39
Provided by CFB at Sports Reference: View Original Table Generated 2/24/2019.

 

Todd Gurley, Nick Chubb, Sony Michel. Running Backs aus Georgia haben sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht. Große Fußstapfen, in die Elijah Holyfield tritt. Im Vergleich zu anderen Running Back-Prospects in dieser Draft-Class konnte er am College in seinen drei Jahren keine überragende Saison absolvieren – rein statistisch gesehen. Natürlich war sein Junior-Year gut und vielleicht ein bisschen mehr, doch im Vergleich zu dem ein oder anderen hinkt er in dieser Hinsicht doch etwas hinterher. Im Vergleich zu dem ein oder anderen war er allerdings auch nie der klare Starter. In seinen ersten beiden Jahren hatte er sowohl Chubb als auch Michel mit sich im Backfield und im vergangenen Jahr teilte er sich die Touches mit Sophomore D’Andre Swift.

Elijah Holyfield ist ein Power Back und vor allem in Short-Yardage-Situationen stark. Er ist ein äußerst physischer Läufer, der gerne Hits gegen seine Verteidiger austeilt. So schafft er es immer wieder, die Tackles der Gegner zu durchbrechen und zeigt ihnen ganz deutlich: „wenn ihr mich tackelt, tut es weh.“ Durch seine gute Tackle-Balance, braucht es oft mehr als einen Verteidiger, um ihn zu Boden zu bringen. Seine besonderen Stärken liegen im engen Raum. Hier besitzt er eine enorme Übersicht für Lücken und ist in der Lage, diese mit gutem Timing und guter Härte zu attackieren. Zudem sind seine Cuts schnell und präzise, auch wenn es ihnen an Explosivität fehlt, um sie noch effizienter nutzen zu können.

Sein Speed im Allgemeinen ist nicht gerade seine Stärke. Er ist auf engem Raum schnell und wendig, doch wenn die Reihen sich lichten und er viel Grün vor sich hat, hat er meist nicht die Endgeschwindigkeit, um sich von den Verteidigern absetzen zu können. Außerdem ist er nicht der kreativste Runner, wenn er den 2nd-Level erreicht hat. Hier ist er dann eher jemand, der die Schultern runter nimmt und den Kontakt mit den Verteidigern sucht, anstatt diesem auszuweichen. Zu beachten ist zudem, dass er kein Faktor im Receiving Game war. Lediglich 7 Catches in 3 Jahren sind eine maue Ausbeute. Seine Stärken im Passing Game hat er eher in der Pass Protection. Hier allerdings ist er durch seine kräftige Statur (5’10, 215 lbs), seine Fähigkeit, den gegnerischen Blitz zu lesen und seine Technik ein durchaus brauchbarer Faktor.

Voraussichtliche Runde im NFL-Draft: 4-7

 

Weitere Namen, auf die ihr beim Combine achten solltet:

  • Damien Harris (Alabama, SR, 5’11, 221 lbs)
  • Miles Sanders (Penn State, JR, 5’11, 205 lbs)
  • Benny Snell (Kentucky, JR, 5’11, 220 lbs)
  • Alex Barnes (Kansas State, SR, 6’1, 221 lbs)
c89b485a27dabf261af3f30cf166e34b?s=96&d=mm&r=g - Rookie RB 2019 - Teil 2
Lukas

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