Die Free Agent-Phase steht vor der Tür. Lasst uns das zum Anlass nehmen und uns einen genauen Blick auf die aktuellen Free Agents der NFL werfen. Ich stelle euch nach und nach die (aktuell) populärsten Namen der jeweiligen Positionsgruppen vor und spiele ein Szenario durch, bei dem ich die Spieler bei denjenigen Teams unterbringe, von denen ich glaube, dass es zum einen realistisch ist und zum anderen dem Fantasy-Value dieser Spieler gut tun wird. Seht es, wenn ihr wollt, auch als Bold Prediction. Fangen wir mit den Quarterbacks an:

Nick Foles (zuletzt Philadelphia Eagles)

Die Zeit von „St. Nick“ bei den Eagles ist vorbei. Headcoach Doug Pederson setzt auf Carson Wentz. Einfach ziehen lassen wollten die Eagles ihren Superbowl-Helden eigentlich nicht. Vor allem die Gefahr, dass er bei einem direkten Konkurrenten innerhalb der Division unterkommen könnte, wollten die Eagles um jeden Preis vermeiden. Die angebotene Option über ein Jahr, die Foles 20 Millionen Dollar eingebracht hätte, hatte dieser jedoch abgelehnt. Er will seinen Wert auf dem Free Agent-Markt testen. Die einzige Option, die die Eagles gehabt hätten, um noch mehr als einen Compensatory-Pick für ihn bekommen zu können, wäre gewesen, ihn mit dem Franchise Tag zu belegen und dann zu traden. Nur so hätten sie auch noch Einfluss darauf, wohin er geht. Doch haben sie sich dagegen entschieden. Somit ist Foles nun Free Agent.

Wohin zieht es Nick Foles?

Dass sich die Befürchtung der Eagles bestätigt und Foles innerhalb der Division bleibt, glaube ich nicht. Die Giants werden im Draft auf der Quarterback-Position aktiv werden – ob dieses oder nächstes Jahr sei dahingestellt. Jedenfalls werden sie nicht nahezu ihr gesamtes zur Verfügung stehendes Geld in einen 30-jährigen Quarterback stecken, der bisher nur in Philly funktionieren konnte. Die Redskins haben gerade Alex Smith viel Geld gezahlt und sich mit Case Keenum einen Lückenfüller für ein Jahr geholt. Und die Cowboys werden weiterhin an Prescott festhalten, auch wenn man nicht gänzlich glücklich zu sein scheint.

Die oft mit Nick Foles in Zusammenhang gebrachten Teams aus Jacksonville und Miami sind natürlich realistisch, da beide sowohl einen Need auf der Position decken könnten, als auch über den nötigen Cap-Space (Jacksonville: 30 Mio. $ / Miami: 22 Mio. $) verfügen. Doch sind sie für mich nicht das attraktivste Ziel für Foles, auch da sie noch genügend andere Lücken haben, die sie füllen müssen.

Nein, das ideale Ziel für Nick Foles sind in meinen Augen die Cincinnati Bengals. Ich halte es aus mehreren Gründen für realistisch:

  1. Die Bengals spielen in der AFC North – andere Division und sogar andere Conference. Dürfte in Foles‘ Planungen – wenn überhaupt – nur eine untergeordnete Rolle spielen. Doch wenn es hart auf hart kommt und er zwei nahezu identische Angebote bekommt, könnte seine Sympathie zu den Eagles aufgrund der gemeinsamen Erfolge ein kleiner Faktor werden.
  2. Der Quarterback der Bengals heißt Andy Dalton. Gut möglich, dass der neue Headcoach der Bengals die jahrelange Mittelmäßigkeit satt hat und nach einer Veränderung sucht. Und Foles war in den wenigen Spielen, in denen er gespielt hat, wesentlich effektiver als Dalton.
  3. Die Bengals verfügen über einen Cap-Space von 50 Mio. Dollar. Mehr als genug, um sich Foles leisten zu können. Außerdem könnte Cincinnati laut spotrac.com weitere 16,2 Mio. Dollar freiräumen, wenn sie Andy Dalton cutten und hätten dabei nicht einmal 1 $ Dead Money.

Und auch aus der Fantasy-Perspektive wäre dies ein durchaus wünschenswertes Szenario für alle Nick Foles-Owner. Warum?

  1. Die Bengals haben eine schwache Defense. So wäre Foles oft gezwungen, den Ball zu werfen. Gut für seine Fantasy-Produktivität.
  2. Er hätte mit A.J. Green und Tyler Boyd zwei erstklassige Wide Receiver in seinem Reihen.
  3. Mit Joe Mixon befände sich einer der talentiertesten Running Backs der Liga in seinem Backfield. Gut für Entlastung, weniger ausrechenbar und auch als Receiver durchaus eine dritte Waffe.

 

Best Fit: Nick Foles → Cincinnati Bengals

 

Tyrod Taylor (zuletzt Cleveland Browns)

Tyrod Taylor hat in Cleveland keine Zukunft. Baker Mayfield hat das Zepter übernommen und wird es höchstwahrscheinlich nie wieder hergeben. Eine Rückkehr ist daher auszuschließen. Taylor wird sich nicht mit einer Backup-Rolle zufrieden geben. Außerdem betrachten wir mögliche Backup-Lösungen hier nicht, da sie doch eher selten relevant in Fantasy werden.

Für Taylor kann ich mir zwei Szenarien gut vorstellen. Einmal die Miami Dolphins und zum anderen die Carolina Panthers.

Natürlich würde es in Carolina lediglich in einem Szenario Sinn ergeben: Wenn die Panthers Zweifel am Heilungsprozess von Cam Newtons Schulter haben. Sollte jedoch Newton die Saison verpassen oder erst verspätet einsteigen und die Panthers hätten sich Tyrod Taylor als Plan B sichern können, könnte das durchaus von Erfolg gekrönt sein – sowohl in der NFL als auch in Fantasy. Taylor ist ein sehr mobiler Quarterback, weshalb ihm das System der Panthers entgegen kommen dürfte. Zudem hätte er mit D.J. Moore, Ian Thomas und nicht zuletzt Christian McCaffrey sehr starke Waffen zur Verfügung.

Doch ich denke, die Panthers werden an Newtons Genesung glauben und sich keinen teuren Backup leisten. Somit bleiben noch die Miami Dolphins.

Die Dolphins haben laut overthecap.com 22 Mio. Dollar Cap-Space und könnten durch die Entlassung Ryan Tannehills weitere 13 Mio. Dollar freischaufeln (spotrac.com). Sicherlich werden sie sich im Draft nach einem Franchise-Quarterback umsehen, doch bin ich der Überzeugung, dass Tyrod Taylor den perfekten Bridge-Quarterback für die Dolphins abgeben kann bis dieser gefunden ist – gut möglich, dass das auch erst im nächsten Draft passiert. Von den Passing-Statistiken her ähneln sich die beiden sehr: 7,0 Yards pro Versuch bei beiden und nur ein leichter Vorteil für Tannehill bei der Touchdown-Percantage (4,2 % zu 3,9 %). Taylor ist aber in Sachen Ball-Security deutlich besser als Tannehill (1,5 % zu 2,6 % INT-Percentage). Das heißt, dass Taylor im Schnitt bei einer Interception 2,65 Touchdowns wirft, während Tannehill nur auf 1,64 kommt. Weniger Turnover = mehr Time of Possession. Dass wiederum würde den Dolphins mehr Möglichkeiten geben, die vorhandenen Waffen wie Kenny Stills, Albert Wilson, Mike Gesicki und (noch) DeVante Parker vielleicht besser bedienen zu können. Doch vor allem könnte er dem schwächelnden Laufspiel eine zusätzliche Komponente verleihen. Durch seine Mobilität müssten die gegnerischen Verteidigungen auch immer auf ihn als Läufer achten, wodurch sich entweder Lücken für sein Passspiel oder seine Running Backs eröffnen können.

 

Best Fit: Tyrod Taylor → Miami Dolphins / Carolina Panthers

 

Teddy Bridgewater (zuletzt New Orleans Saints)

Teddy Bridgewater scheint wieder fit zu sein. Seine endlos lange Leidenszeit scheint zu Ende zu gehen. Ein Verbleib bei den Saints als Backup von Drew Brees ist zwar nicht auszuschließen, doch besonders sexy wäre dieser Move nicht. Außerdem dürfte sich in ihm der Wunsch nach Spielzeit immer stärker bemerkbar machen. Daher glaube ich an einen Wechsel. Nachdem Case Keenum die vakante Stelle bei den Washington Redskins eingemomen hat, gibt es für mich nur noch eine sinnvolle Adresse für Bridgewater: die Jacksonville Jaguars.

Allerdings denke ich, dass die Redskins wohl kaum das Risiko mit Bridgewater bereit sind einzugehen. Sie haben mit Alex Smith bereits einen schwer verletzten Quarterback im Kader und in Case Keenum jemanden gefunden, der das Team sofort und kurzfristig übernehmen kann und von dem sie wissen, was sie kriegen. Deshalb wäre ein Wechsel Bridgewaters nach Florida zu den Jaguars in meinen Augen der bestmögliche Move für ihn.

Es würde sowohl aus Sicht der Jaguars als auch aus der Fantasy-Perspektive total gut passen. Denn die Jaguars werden nach einer Alternative für Blake Bortles suchen, der in der vergangenen Saison einmal mehr bewiesen hat, dass er nicht die Qualität für einen Starting-Quarterback in der NFL hat. Cutten werden sie ihn aufgrund von 16,5 Mio. Dollar Dead Cap (lt. spotrac.com) wohl nicht, doch gerade deshalb dürfte ein Teddy Bridgewater durchaus reizvoll für die Jaguars sein. Er ist talentiert und vor allem vergleichsweise günstig zu haben. Eine High Risk/High Reward-Chance, die man in Jacksonville sicherlich gerne wahrnehmen würde, auch wenn man mit fast 100 %-iger Sicherheit davon ausgehen kann, dass die Jags auch im Draft zuschlagen werden. Außerdem dürfte Bridgewater mit seiner Mobilität besser zum run-heavy System der Jaguars passen als Bortles. Waffe #1 wird zwar immer noch das Laufspiel um Leonard Fournette sein, doch vielleicht würde Bridgewater die nicht untalentierte Receiver-Crew um Marqise Lee, Dede Westbrook, Keelan Cole und D.J. Chark besser in Szene setzen können als Bortles es konnte.

 

Best Fit: Teddy Bridgewater → Jacksonville Jaguars

 

 

Hinweis: Alle Cap-Space-Angaben sind auf dem Stand vom 09.03.2019 (www.overthecap.com)

c89b485a27dabf261af3f30cf166e34b?s=96&d=mm&r=g - Quarterback Free Agents 2019 - Best Fits aus der Fantasy-Perspektive
Lukas

New England Patriots-Fan
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Dynasty Off-Season-Lover

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