Blick über den Tellerrand

In der Betriebswirtschaftslehre – extrem trockener Kram, dessen Studium ich aufgegeben habe – gibt es verschiedene Prinzipien. Einer davon ist das Maximalprinzip. Dieses besagt, dass man mit den vorliegenden Mitteln versucht den größtmöglichen Nutzen zu erreichen. Und nur, weil ich damit nicht zurechtkam, heißt das nicht, dass wir heute nicht von der Theorie profitieren können.

Transferieren wir das Maximalprinzip auf unseren Dynasty-Kader. Konkret bedeutet das für uns: aktiv und andauernd nach Möglichkeiten zu suchen den eigenen Kader zu verbessern. Um den größtmöglichen Nutzen zu haben nehmen wir unser Trade- und Waiververhalten nochmal genauer unter die Lupe. Im Optimalfall vertauschen wir Nicht-Starter auf ihrem Wert-Höhepunkt und suchen nach entwicklungsfähigen Spielern, die eines Tages auch einen hohen Wert auf dem Spielermarkt haben.

In der #buylow-Serie zeigen wir euch Spieler, die auf Grund verschiedener Umstände günstig zu haben sein sollten.  Nur einmal an dieser Stelle werden wir erwähnen, dass Verletzungen, Verpflichtungen, Suspendierungen und Trainerwechsel den Wert eines Spielers von einem auf den anderen Moment komplett auf den Kopf stellen können.

Jetzt, da die Trainingscamps in vollem Gange sind und wir sogar ein Pre-Season Spiel gesehen haben, gibt es noch ein sehr kleines Fenster für ein – wahrscheinliches – Schnäppchen. Mit Schnäppchen meinen wir heute:

  • Spieler, die im Juli 2018 eine Dynasty League Football-ADP zwischen 150-250 haben,
  • Jahrgang 1992 oder älter sind und
  • wohl besser abschneiden als QB25/28, RB 56/62, WR 73/95 oder TE 23/25!

Quarterbacks

Grundsätzlich gilt für diese Position: eher in SuperFlex/2-QB-Ligen oder für einen späten Rookie Pick in 1-QB-Ligen, wenn Bedarf besteht.

  • Alex Smith (ADP: 210)

Der Mann bekommt nicht den Respekt den er verdient. Auf einer Punkte/Spiel Basis war Smith unter allen QBs mit mehr als 10 Spielen auf Platz 3 – hinter Wilson und Wentz. Die Belohnung der Dynasty Gemeinde ist eine ADP als: QB25! Da sträuben sich einem die Nackenhaare. 2017 spielte er seine erfolgreichste Saison und bekam seine beste Bewertung von Pro Football Focus in den letzten 12 Jahren. Atypisch für den „Sicherheits-QB“ war allerdings, dass er in Teilbereichen seines Spiels glänzte, wofür man ihn gar nicht kannte. So war er insbesondere bei tiefen Pässen, 20 Yards und länger, mit einem angepassten Rating von 131,4 und den meisterzielten Yards mit 1344 schlicht und ergreifend überragend! Kein anderer QB in der NFL schaffte es überhaupt über 50% seiner Pässe in der Kategorie anzubringen. In Washington findet er in Top-Talent Josh Doctson, Speedster Paul Richardson und einem der besseren Slot Receiver Jamison Crowder ein variables Umfeld, das ihm alle Möglichkeiten gibt, seine fantastischen Zahlen aus 2017 zu wiederholen.

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(via pro football focus)

  • Case Keenum (ADP 227)

Mieser bestellt ist es bei ebenfalls sehr guter und unerwarteter Saison um Case Keenum. Für ihn hat die breite Masse auch nicht arg viel Liebe übrig: QB28! Was hat der gute Case euch angetan?

Top4-QB in „True completion-rate“ (vollständige Pässe, die man ohne Druck werfen konnte) mit 71.4%, Top4-QB im „Attempts-INT-ratio“ (vollständige Pässe bis zum Werfen einer INT) und Top12-QB in Yards completed sind ausreichend Indikatoren, dass der All-Time-Leader für  Passing Yards im College auch in der NFL angekommen ist. Das Führen der Vikings in die Playoffs ist definitiv kein Zufallsprodukt gewesen und Adam Thielen und Stefon Diggs singen nicht ohne Grund Loblieder auf Keenum. Basierend auf Warren Sharps „Superior strenght of schedule“ hat Denver nächstes Jahr den 7-leichtesten Spielplan gegen Pass-Defenses, was ihm die Arbeit erleichtern sollte. Dazu hat Keenum ein gutes WR-Core, bestehend aus erfahrenen (Thomas, Sanders) sowie vielversprechenden, jungen Receivern (Sutton, Hamilton), und das running game wurde mit Royce Freeman ebenfalls aufgewertet. Der 10er auf Keenum von unserer Seite ist gesetzt, dass er seine ADP als QB28 locker übetrifft.

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(via pro football focus)

 

Running Backs

Sie sind das Salz in der Suppe. Die Guten gehen früh und am Ende gibts nicht wirklich was. Bei den Jungs hier steckt evtl doch noch Potential drin.

  • T. J. Yeldon (ADP 173)

Genau, T. J. Yeldon. Die Jaguars waren schon letztes Jahr das Team mit den meisten rush attempts – was durch die Verpflichtung von OG Andrew Norwell nicht weniger werden wird. Dazu werden durch den Abgang von Ivory zu den Bills 117 Carries frei, die Fournette nicht alleine stemmen wird können. Zu Fournette muss man auch festhalten, dass er mit kleineren und mittleren Verletzungen am Knöchel schon zu College Zeiten und im ersten Jahr zu kämpfen hatte und ihm auch dieses Jahr wieder ein mittleres Verletzungsrisiko vorausgesagt wird. Außerdem haben die Jaguars das 7-leichteste Programm, was Rush-Defenses anbelangt – der Mannschaftsmittelwert von 32,9 Carries/Game wird sehr wahrscheinlich überboten werden. Neben dem Laufspiel wurde Yeldon schon zu College Zeiten auch gut ins Passspiel miteingebunden (62%-Bereich) und Bortles ist nun mal eher der QB für die kurzen Pässe. Einen außergewöhnlichen Wert kann er natürlich nur bei einer Verletzung von Fournette erreichen, ins Spiel eingebunden wird er aber als RB2 in Jacksonville immer sein. In den Playoffs hatte er 7,2 Yards/Touch und während der Saison 6,0 Y/T. Das sind gute Werte bei 7,9 Touches/Spiel und wenn man einen Anstieg auf 10-12 Touches/Spiel als Basis bei über 6,0 Yards nimmt, hat man einen interessanten Pick in den späten Runden.

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(via playerprofiler.com)

  • Spencer Ware (ADP 193)

„Aus den Augen, aus dem Sinn“. Was schon bei den alten Römern galt, scheint auch heute keinen Deut an Bedeutung verloren zu haben. Insbesondere, wenn es um die Einschätzung von Spielern im Fantasy Football geht.
Rückblick Mai 2017: die Kansas City Chiefs haben Kareem Hunt gedraftet und Spencer Ware kommt aus einer überaus erfolgreichen Saison 2016. Mit 11.4 Punkten/Spiel ist er #15 und damit ein stabiler RB2. Die Mai 2018 DLF-ADP sieht auch dementsprechend aus:

  • Ware 84
  • Hunt 103

Juli 2018 hat sich die Wahrnehmung, nachdem Hunt auch eine wirklich sehr gute Saison hatte, komplett geändert:

  • Hunt 12 (RB7)
  • Ware 193 (RB62)

Jetzt kann man natürlich davon ausgehen, dass Ware wegen der Verletzung komplett alles verlernt hat oder sich sagen: „Der Junge war mal gut, wahrscheinlich wird der nicht nur reine Backup-Aufgaben auferlegt bekommen.“ Hunt wurde letztes Jahr sehr viel Lauflast auferlegt, nur Christian McCaffrey stand häufiger als Rookie-RB auf dem Feld als er. Es ist anzunehmen, dass das eher rückläufig wird. Viele erinnern sich auch nicht mehr an Hunts Dürreperiode in den Wochen 8-13, in denen er gerade einmal 59 totalyards/Spiel ohne einen einzigen TD erzielte. Ware ist ein erfahrener RB, der dem jungen Hunt gerade in solchen Phasen helfen kann.
Die Chiefs waren in den Playoffs, wollen in die Playoffs und da sind die sogenannten „fresh legs“ wichtig, um abzuliefern, wenn es darauf ankommt. Spencer Ware wird mit dafür sorgen, dass das so sein wird.

Wide Receiver

Es hat sie wie Sand am Meer und auch in den hinteren Runden sind noch richtig gute Jungs mit dabei!

  • Tyrell Williams (ADP 159)

Zuerst werfen wir einen Blick aus der Vogelperspektive auf die Situation den LA Chargers:

  • Phillip Rivers ist #4 unter allen Starting-QB in Pässen/Spiel
  • die Chargers sind #3 in strength-of-schedule
  • die O-Line wurde mit Mike Pouncey verstärkt und 2017 2nd-rounder Forrest Lamp kehrt nach seiner Verletzung wieder zurück.

Bei der Beurteilung von Ty Williams kommen wir leider nicht um die Nachricht herum, dass Hunter Henry für die gesamte Saison ausfällt. Und viele sehen nicht, wie gut Henry letztes Jahr wirklich war. Hocheffizient auf der TE-Position schloss er in vielen Statistiken Top10 ab, was außergewöhnlich für einen Rookie war. Jetzt verletzt, sind 62 Targets mehr zu vergeben. Wir können davon ausgehen, dass Williams auch einen Teil vom Kuchen abbekommt. Die Chargers haben ihm nicht grundlos vor der Saison mit einem 2nd round tender belegt, so dass andere Teams richtig viel hätten investieren müssen, um ihn aus LA loszueisen. Das ist eine große Wertschätzung, vor allem wenn man bedenkt, dass sie das schon vor Henrys Verletzung getan hatten. Die Chargers wissen, dass sie in Williams einen sehr guten Athleten haben, der den Unterschied ausmachen kann, wenn er Targets bekommt.

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(via playerprofiler.com)

Er schloss 2017 mit 10,6 Yards/Target ab, was ihm #4 in der NFL einbrachte. Schon 2016 bewies er in der Abwesenheit von Keenan Allen, dass er in der Lage ist, über 1000 Yards (1059) zu erzielen und belegte #13 in Standard-Ligen – noch vor Hill, Landry, Fitzgerald…

Zu denken Mike Williams könnte auf Anhieb ihm die Rolle als klare Nummer 2 abnehmen, halten wir für verfrüht. Der „andere“ Williams muss erst einmal den Beweis seiner NFL-Tauglichkeit antreten. Tyrell hat diesen schon erbracht, hat eine Verbindung zu Rivers und ist unserer Meinung nach bei dieser ADP zu günstig – zuschlagen!

  • Willie Snead (ADP 224)

Stimmt. Willie Snead ist ein richtig mieser Athlet – gemessen an NFL-Standards. Und seine 2017 Saison konnte man getrost so zusammenfassen: Suspendierung, kaum gespielt, keine 100 Yards insgesamt geschafft (es waren wirklich nur 92, ich schwör) und dann dementsprechend „Ciao“ aus New Orleans. Und warum soll gerade der Typ unsere Aufmerksamkeit bekommen?

Zuerst der Blick, was bei den Ravens passiert ist: Woodhead, West, Maclin, Wallace, Campanaro, Watson – alle weg. Addiert ergibt das freigewordene Möglichkeiten in diesem Umfang:

  • 332 targets, #1
  • 59,1% der targets, #1
  • 2829 Air-Yards, #1
  • 71,3 % der Air-Yards, #1

Da sind ein Haufen Yards und Targets in Baltimore zu vergeben. Aus WR-Sicht gesprochen: es fühlt sich richtig gut an, Crabtree, Brown oder Snead zu haben. Wir würden auch gerne Hayden Hurst mit ins Spiel bringen, bleiben aber bei Rookie-TEs immer skeptisch. Dafür holen wir Joe „Cool“ Flacco mit ins Boot. An ihm scheiden sich die Geister, aber zwei Sachen sind nicht wegzudiskutieren:

  • Joe hat eine „adjusted completion percantage“ (via PFF) von 75,3%. Damit ist er besser als Keenum, Brady, Cousins, Stafford und liegt auf #7.
  • Joe hat wenig Zeit, bevor er den Ball loswerden muss – #9 in nextgenstats
  • Joe hat 2016, den heute wahrscheinlich schon in Vergessenheit geratenen, Dennis Pitta zum TE mit den meisten Catches gemacht. Kein Witz, Pitta vor Kelce, Rudolph, Olsen, Ertz.

Diese Punkte zusammengeführt: Joe hat wenig Zeit, wirft gerne sicher und ist gezwungen die kurzen Routen anzuwerfen. Jaron Brown ist der Mann für das tiefe Brot. Er kommt Snead sicher nicht in die Quere. Crabtree wird den Löwenanteil an Pässen abbekommen, davon ist auszugehen. Aber Snead hat (laut PFF) dieses Jahr das dritteinfachste Programm, wenn es gegen die Slot-Corner der Gegner geht:

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(via pro football focus)

Es scheint also eher wahrscheinlich, dass er an seine erfolgreiche 2016 Saison anknüpfen kann. In der blieb er knapp unter der 900-Yard Marke in nur 15 Spielen und nicht wenige sagten ihm den Breakout für 2017 voraus. Und da aufgeschoben nicht aufgehoben ist, freuen wir uns darauf, Willie Snead (unbedingt in PPR-Ligen) noch schnell günstig erwerben zu können.

Tight Ends

Es gibt nur einen Gronk, aber es muss ja auch nicht immer teuer sein.

  • Vance McDonald (ADP 180)

Wer erinnert sich nicht an das sagenhafte Playoff-Spiel der Steelers gegen die Jaguars letztes Jahr. 45-42 für die Jax und daher ging die sensationelle Leistung der Steelers-Offense ein wenig unter. Big Ben warf 58 Mal und suchte dabei sehr oft sein Lieblingstarget  – Vance McDonald. Immer wieder flog der Ball in die Richtung des TE – 27,6%, das ist ein Top-Anteil.
McDonald war das ganze Jahr über verletzt und angeschlagen und hatte insgesamt nur 24 Targets. Gegen die Jax-Defense dann die Explosion: 16 Targets, 10 Catches, 112 Yards. Fatalerweise war danach die Saison zu Ende und mit JuJu und Bell gab es den ganzen Sommer über spannendere Themen, als die anstehende Saison von McDonald. In 2016 konnte er in San Francisco eine effektive Saison abliefern und war in mehreren Effizienz-Statistiken Top12. Warum soll ihm das mit einem Hall-of-fame QB und einer der besten Offenses der Liga nicht gelingen? Viele vergessen, dass er seinerseits ein 2nd round Pick war, der alle körperlichen Voraussetzungen mitbringt, um ein großartiger TE zu werden. Sehr athletisch (93%-Bereich SPARQ-x Score), hoher College-Dominator (80%-Bereich) und die wichtigen Lernjahre auf der TE Position schon hinter sich gebracht: wundert euch also nicht, wenn Vance McDonald am Ender der Saison unter den 12 besten TE abschließt  – hier habt ihr es gelesen.

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(via playerprofiler.com)

  • Charles Clay (ADP 190)

Sind wir ehrlich. Bei den Bills sieht es zappenduster aus. Rookie-QB mit immensen Fragezeichen, der Backup mit größeren Fragezeichen, die O-Line mit noch größeren Fragezeichen, und die Fragezeichen um LeSean McCoy. Wer dachte, es geht aufwärts nach der Playoff-Teilnahme, der sah sich getäuscht. Aber es gibt eine Konstante: Charles Clay. Seit Jahren schon in Buffalo eine wichtige Anspielstation, dabei nie der Mann fürs Rampenlicht, aber immer solide. Mit einem 20,1% Anteil aller Targets in Buffalo gehört er unter allen TE in 2017 in die Top10 und da das Bills WR-Core das mit weitem Abstand schlechteste in der Liga ist, wird der Starting-QB Charles Clay suchen. Das ist garantiert. Mit 11,4 Yards/Receiption hatte er auch eine persönliche Bestleistung seiner fünfjährigen NFL-Karriere letztes Jahr.
Fazit: es wird keine Sensationssaison, aber es wird eine gute Saison für Clay werden. Speziell im PPR-Format ist er ein Spieler mit sicherem Floor und ihr macht mit Clay nichts falsch.

 

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Emin

Buffalo Bills seit Mitte 90er und Dynasty Fantasy Football forever. Lieblinge: Derrick Henry und Jerrick McKinnon.