Draft Strategien

Die NFL Saison steht vor der Tür. Es wird also Zeit sich mit dem Thema Redraft auseinanderzusetzen. Der Draft bildet die Grundlage für die Saison. Natürlich kann man während der Saison noch einiges korrigieren, aber man kann die Saison auch bereits im Draft verlieren.

Aus diesem Grund möchte ich euch zur Vorbereitung auf euren Draft die bekanntesten Draft Strategien vorstellen. Wie bereits in unserem Mock Draft Artikel erwähnt, ist es besonders wichtig, vor eurem richtigen Draft einige Mock Drafts zu starten. Dabei könnt ihr die nachfolgenden Strategien ausprobieren, sodass ihr ein Gefühl dafür bekommt, mit welcher Herangehensweise euer Team am besten aussieht.

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ihr euch nicht bereits vor dem Draft festlegen solltet, wie ihr draften werdet. Ihr müsst immer das Board im Auge behalten und wenn ihr Value seht, dann greift zu! Die folgenden Strategien sollen eher Ideen aufzeigen, wie man sich im Draft einen strategischen Vorteil erarbeiten kann und wie sich der Wert zwischen den einzelnen Positionsgruppen verhält. Beginnen wir also mit der Late-Round QB Strategie.

 

Late-Round QB

Diese Strategie bezieht sich auf Ligen mit einem Quarterback. Wie der Name es bereits sagt, geht es darum, einen Quarterback erst in den späteren Runden zu nehmen. Die Logik dahinter ist die folgende:

Die Top Quarterbacks gehen in der Regel bereits in den Runden 2 bis 4 vom Board. Da jeder nur einen QB starten muss, warten die meisten bis zu den zweistelligen Runden, um einen Ersatz-QB zu draften. Einige nehmen auch keinen Ersatz QB. Daraus folgt, dass man in den Runden 8-10 noch einen Top 10-15 QB draften kann. Der Unterschied zwischen dem QB 1 und dem QB 10 waren in 2020 nur 2,6 Punkte pro Spiel.

Im Vergleich dazu sind in den Runden 8-10 bereits die ersten 30 Runningbacks vom Board. Während ein Top 12 RB 2020 ca. 18,1 Punkte pro Spiel machte, machten RB 13-24 nur 13,5 Punkte pro Spiel.  Außerhalb der Top 30 machen die RBs unter 10 Punkte pro Spiel.

Das größte Argument für die Late-Round QB Strategie sind also die Opportunitätskosten. Nehme ich lieber einen Top 12 RB in Runde 2 und den QB 10 in Runde 8 oder den QB 1 in Runde 2 und den RB 30 in Runde 8? Die Antwort liegt auf der Hand.

Neben dem Opportunitätskosten-Argument gibt es allerdings noch einen weiteren Grund, der für diese Strategie spricht:

Quarterbacks sind in ihrer Produktivität von Jahr zu Jahr volatil. Insbesondere Touchdown Raten können zwischen den Saisons stark schwanken und sind gleichzeitig am schwierigsten vorauszusagen. Die Quarterbacks, die in den letzten fünf Jahren als QB 1 platziert waren, konnten im darauffolgenden Jahr nie eine bessere Platzierung als QB 7 erreichen. Es gibt also auch im vorderen Bereich des Drafts keine sicheren Sachen auf der Quarterback Position.

Innerhalb einer Saison lassen sich Quarterback Leistungen anhand von Matchups relativ gut vorhersagen. Aus diesem Grund ist es auch eine Option einen Quarterback zu streamen, wenn dein Late-Round QB nicht einschlägt. Zum Thema Streamen gibt es hier bald einen eigenen Artikel.

In den letzten Jahren kam der QB 1 aus genau der Gegend, in der wir unseren Late-Round QB draften wollen:

2020: Josh Allen (ADP: QB 10)

2019: Lamar Jackson (ADP: QB 11)

2018: Patrick Mahomes (ADP: QB 15)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Late-Round QB Strategie in den letzten Jahren gut funktionierte. Wie bereits in der Einführung erwähnt, bedeutet das allerdings nicht, dass man auf Teufel komm raus bis Runde 8, 9 oder 10 warten muss, um einen QB zu draften. Fällt einer der Top QBs in deinem Draft deutlich, dann kannst du ruhig zuschlagen.

 

Robust-RB

Eine weitere Strategie ist die Robust-RB Strategie. Wie bereits erwähnt ist der Abstand zwischen einem RB 1 und einem RB 2 bereits groß. Ein RB 3 ist bereits schwer zu starten.

Aus diesem Grund legt diese Strategie Wert darauf, früh und oft RBs zu draften. Je nachdem wie extrem man diese Strategie implementieren möchte, geht man aus den ersten fünf Runden mit 3 bis 5 Running Backs.

Da man in den Runden 3-8 starke Wide-Receiver finden kann, lässt sich mit dieser Strategie eine starke und robuste Team Zusammenstellung realisieren. Zwar fehlt dann eventuell ein absoluter Top-Receiver, aber diese Produktion lässt sich von den Top RBs ausgleichen. Gleichzeitig ist man auch solide aufgestellt, falls sich einer der Running Backs verletzen sollte. Das Verletzungsrisiko ist für Running Backs deutlich höher, sodass eine gewisse Sicherheit auf dieser Position entscheidend sein kann.

Diese Strategie lässt sich ideal mit der Late-Round QB Strategie kombinieren. Auch bei dieser Strategie sollte man nicht blind Running Backs, sondern auch das Board und den Value im Blick behalten. Fällt ein Receiver zu tief, dann sollte man hier zuschlagen.

 

Zero-RB

Der komplette Gegensatz zur Robust-RB Strategie ist die Zero-RB Strategie. Diese Strategie ist in erster Linie in PPR Ligen sinnvoll, da Receiver in diesen Ligen mehr Punkte machen und es durch die Receiving Backs mehr relevante Running Backs gibt.

Zero-RB bedeutet, dass in den ersten fünf Runden kein Running Back gedrafted wird. In diesem Fall ist es zunächst das Ziel absolute Elite Receiver zu bekommen. Außerdem sollte man sich um einen der Top TEs bemühen (zu TEs komme ich gleich nochmal). Idealerweise kommt man also mit einem Top TE und vier Receivern aus den ersten fünf Runden.

Nun geht es darum, die richtigen Running Backs zu draften. In diesen Runden sind die Starter in der Regel vergriffen. Es geht bei dieser Strategie also eher darum, die potenziellen League Winner zu finden. Zunächst sollte man Backups finden, die auch Standalone Value besitzen. Insbesondere in PPR Ligen, kann man mit Receiving Backs einen Floor mit ein paar RB 1 Wochen bekommen.

Neben dem ein oder anderen Receiving Back versucht man Backups zu identifizieren, die den Starter 1:1 ersetzen würden, wenn er sich verletzen sollte. Dieser Typ von Runningbacks hat ein hohes Ceiling, aber keinen Floor. Mit der Zero-RB Strategie ist man darauf angewiesen, dass einer der Backups in die Starter Rolle rutscht. Gleichzeitig muss man sehr aktiv auf dem Waiver Wire sein, um League Winner auf der Running Back Position zu finden. Im Jahr 2020 war Mike Davis ein Backup, der aus dem Nichts zu einem RB 1 wurde. Da man damit vor der Saison nicht rechnen konnte, war er auf dem Waiver Wire zu bekommen. Solche Spieler müssen mit der Zero-RB Strategie unbedingt geholt werden. Das Problem ist nur, dass auch alle anderen Teams diese Running Backs möchten.

Der große Vorteil der Zero-RB Strategie ist, dass man auf den restlichen Positionen top besetzt ist. Da, wie bereits erwähnt, das Verletzungsrisiko auf der RB Position am größten ist, besteht durchaus die Chance, dass einer der gedrafteten Running Backs in die Starter Rolle rückt. Ist das der Fall, dann wird es schwer, dein Team zu schlagen. Die Zero-RB Strategie ist mit viel Risiko und auch Glück verbunden, da Running Backs die wichtigste Position in 1 QB Ligen sind. Wenn keiner der Backups in eine Starter Rolle kommt, dann wird der Schritt in die Playoffs nahezu unmöglich. Ich würde empfehlen, zumindest einen RB in den ersten drei Runden zu nehmen, um etwas Sicherheit zu gewährleisten.

 

Top Tight End oder punten?

Die dünnste Position in Fantasy Football Ligen ist die Tight End Position. In den letzten Jahren hat sich ein klarer Trend herauskristallisiert:

Es gibt die wenigen absoluten League Winner, die Top Produktion liefern. Der Rest ist ein großer Sumpf aus Tight Ends, die nicht konstant und dementsprechend austauschbar sind. Zum Vergleich die PPR-Ergebnisse aus 2020:

1. Kelce: 312,76 Punkte

2. Waller: 278,6 Punkte

3. Thomas: 176,62 Punkte

16. Jonnu Smith: 140,2 Punkte

Der Abstand zwischen Platz 2 und 3 betrug 102 Punkte, während der Abstand zwischen Platz 3 und Platz 16 nur 36 Punkte betrug. Kittle hatte mit Verletzungen zu kämpfen, aber er war der Einzige, der mit 15,64 Punkten pro Spiel noch halbwegs mit Kelce (20,86) und Waller (17,41) mithalten konnte. Der nächstbeste Tight End war Andrews mit 12,15 Punkten pro Spiel.

Aus diesem Grund gibt es im Moment zwei Möglichkeiten:

1. Investiere früh in einen der Top TEs (Kelce/Waller/Kittle)

2. Ignoriere TEs bis zur letzten Runde (Punten)

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass TEs in den mittleren Runden in der Regel nicht so produzieren können, dass sich der Draft Pick lohnt. Die Differenz zwischen dem TE 3 und TE 16 in 2020 zeigt, dass es außerhalb der Top TEs relativ egal ist, welchen Tight End man hat. Insbesondere waren mit Thomas und Tonyan zwei TEs in der Top 5, die 2020 nicht gedrafted wurden. Bekommt man keinen der Top TEs, dann macht es also Sinn, einen Shot am Ende des Drafts zu nehmen. Sollte der nicht funktionieren, kann man die Tight End Position streamen, bis sich eventuell ein neuer Tonyan/Thomas herauskristallisiert.

 

 

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass alle Strategien ihre Vor- und Nachteile haben. Es gibt keine Blaupause für den Draft, denn jeder Draft fällt anders. Die oben aufgeführten Strategien sind Ideen. Behaltet im Hinterkopf, dass die Running Backs die wertvollste Position in 1 QB Ligen sind. Trotzdem sollte man nicht blind nur Running Backs draften. Fällt ein Receiver oder ist einer der Top TEs zu einem guten Preis verfügbar? Dann greift auf jeden Fall zu. Auch wenn ich ein Freund der Late-Round QB Strategie bin, kann es durchaus Sinn machen einen QB in Runde 5 oder 6 zu nehmen, wenn er entsprechend fällt. Wichtig zu erwähnen ist, dass ihr nicht früh auf QB UND TE gehen solltet. Eine der beiden Positionen kann man auf jeden Fall früh besetzen, aber wenn ihr zwei frühe Picks in die Einzelpositionen investiert, dann werdet ihr zu dünn auf RB/WR besetzt sein.

Zu guter Letzt möchte ich euch allen viel Spaß und viel Glück für die kommende Fantasy Saison wünschen. Macht so viele Mock Drafts wie möglich, testet die vorgestellten Strategien aus und dominiert eure Liga!

Marc 150x150 - Fantasy Football Redraft Strategien
Marc

Egal ob Redraft oder Dynasty: Fantasy Football Verrückter | Dallas Cowboys Fan | Lieblingsspieler: Dak Prescott und Alvin Kamara