Embed from Getty Images

Was ist der Rebuild?

Jeder wird in einer Dynasty-Liga früher oder später zwangsläufig mit dem Thema „Rebuild“ konfrontiert. „Rebuild“ bedeutet wörtlich „Wiederaufbau“. Der Begriff sagt es schon aus: Irgendetwas stimmt nicht und wir müssen unser Team „reparieren“.

Doch was heißt das konkret für mein Dynasty Team?

Nun, viele Dynasty-Spieler gehen jedes Jahr in die Saison mit dem Ziel, den Titel zu holen. Meist gibt es in 12 Team-Ligen 2-3 ernsthafte Contender und weitere 1-2 Teams mit Außenseiterchancen. Gute oder weniger gute Vorbereitung auf den Draft, das Beobachten des Free Agent Markts, das Verhandlungsgeschick in Trades, Verletzungen von Spielern oder schlicht das Quäntchen Glück führen oft zu dieser oder einer ähnlichen Kräfteverteilung.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass oft mehr als die Hälfte der Teams quasi keine Chance auf den Titel in der laufenden Saison haben. Sobald wir merken, dass wir zu dieser Gruppe gehören, befinden wir uns zwangsläufig im Rebuild. Denn wenn wir schon in diesem Jahr nichts reißen können, wollen wir uns zumindest für das nächste Jahr bestmöglich in Stellung bringen. Unsere Chancen, das zu schaffen, steigen äquivalent mit der Höhe unseres Draft-Picks.

Um es mal in Idealform auszudrücken: „Champion oder 1.01“

Arten des Rebuilds

Eigentlich befindet sich jeder Dynasty-Spieler immer im Rebuild, da wir ständig unser Team auf den Prüfstand stellen. Selbst der Champion wird sich nach dem gewonnenen Finale die Frage stellen müssen, wie er das Kunststück im nächsten Jahr wiederholen kann. In den allermeisten Fällen wird er allerdings nicht so viel tun müssen wie der Tabellenletzte.

Je nach Zustand des Teams gibt es also verschiedene Arten des Rebuilds.

Variante 1: Der Fließende Rebuild

Die Idealvorstellung. Wir waren im letzten Jahr unter den Contendern, haben vielleicht sogar den Titel gewonnen und unser Team sieht im Grunde genommen echt gut gerüstet aus, um auch im nächsten Jahr erfolgreich zu sein. Vielleicht fehlt uns noch ein guter Backup-Quarterback, ein zweiter Tight End oder ein dritter Running Back. Vielleicht steht einer unserer Stars kurz vor der Rente oder wir waren einfach mit unserer Option auf der Flex-Position nicht zufrieden. Durch geschickte Trades oder ein goldenes Händchen im Rookie Draft können wir diese Baustellen leicht beheben.

Wir können also unser Team nahezu komplett beisammenhalten und müssen es nur hier und da durch frisches Blut aufpeppen.

Variante 2: Der Anlauf

Für diese Variante benötigen wir ein wenig mehr Zeit als für den fließenden Rebuild. Wenn es gut läuft, sprechen wir hier von einem Zeitraum von einem Jahr. Diese Variante kommt oft zum Einsatz, wenn wir uns zu den Teams mit Außenseiterchancen zählen.

Soll heißen, wir sind mit unserem Kernteam eigentlich sehr zufrieden und sehen uns da schlagkräftig aufgestellt, aber uns fehlt der letzte Baustein, um wirklich ein ernsthafter Contender zu werden. Oft sind wir als Owner dieser Teams mit Außenseiterchancen mit relativ hohen Erwartungen in die Saison gegangen, jedoch sind die Sleeper-Kandidaten nicht eingeschlagen oder wir hatten mit Verletzungen zu kämpfen. Wenn wir also merken, dass unsere Chancen auf den Titel in diesem Jahr entgegen unseren Erwartungen nicht sehr hoch sind, müssen wir noch in derselben Saison aktiv werden, um diese Variante angehen zu können.

Doch was genau heißt das? Wir haben da mehrere Ansatzpunkte zur Auswahl:

  1. Wir verkaufen unsere älteren Spieler (WR / TE älter 30, RB älter 26, QB älter 35) an Contender mit einem Need auf der Position.
  2. Wir traden für so viele 1st und 2nd Rounder wie möglich.
  3. Wir kaufen Spieler, die aktuell in einem Formtief oder verletzt sind, deren Potenzial aber enorm ist.
  4. Wir traden unsere Waiver Wire Adds (z.B. Backup RBs, die nur solange Relevanz haben wie der eigentliche Starter verletzt ist)

Eine Kombination aus diesen Varianten wäre natürlich am vorteilhaftesten. Grundsätzlich behalten wir unsere Picks aber.

Variante 3: Der Abriss

Die brutalste Variante. Zu ihr kommt es, wenn wir mit dem Einläuten des Rebuilds zu lange warten. Neben der einfachen Erklärung der Alterung des Teams kann dies zum Beispiel passieren, wenn wir uns Chancen auf den Titel ausrechnen und dann auf „Alles oder Nichts“ setzen. Meist ist dieser Ansatz schon der erste Fehler. Wenn unser Team wirklich ein ernsthafter Contender wäre, müssten wir nicht auf „Alles oder Nichts“ gehen, um gute Chancen auf den Titel zu haben. An dem Punkt, an dem wir uns für „Alles oder Nichts“ entscheiden könnten, wäre die klügere Entscheidung in den „Anlauf“-Rebuild (s.o.) zu gehen.

Anyway. Nun ist es zu spät und das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen. Wir müssen uns auf mehrere Jahre harten Rebuild einstellen, bevor wir uns wieder Gedanken um den Titel machen können. Zwei Saisons müssen wir für diesen Vorgang mindestens einplanen, wenn wir uns gut anstellen.

Eine dezidierte Analyse wie im „Anlauf“-Rebuild ist hier nicht notwendig. Wir wollen alles loswerden, was älter ist als 25 – Quarterbacks ausgenommen; hier heben wir die Grenze auf 30 an. Im Gegenzug sammeln wir so viele Picks wie möglich. Dabei beschränken wir uns nicht nur auf den kommenden Rookie Draft, sondern auch auf den nächsten und übernächsten – je nachdem wie weit unsere Liga das Traden von zukünftigen Draft Picks erlaubt. Wir können sicherlich hier und da auch für junge Spieler traden, wenn es Sinn ergibt. Allerdings ist unser Hauptziel das Entschlacken des Kaders. Wir wollen Platz. Der Vorteil davon ist, dass wir uns viel freier auf dem Free Agent-Markt umschauen können. Wenn wir Platz haben, müssen wir nämlich keinen Spieler droppen, um einen anderen aufzunehmen. Die einzige Ausnahme von unserer „unter 25“-Regel sind die Waiver Wire Adds. Hier sind wir genauso aktiv wie die anderen GMs unserer Liga. Der Unterschied ist, dass wir diese Spieler nur adden wollen, um sie in Trades in Picks ummünzen zu können.

Jetzt kann es natürlich gut sein, dass wir mitten im Rebuild-Prozess stecken und wir 1-2 Rookies gedraftet haben, die komplett steilgehen. Natürlich wollen wir diese nicht zwangsläufig verkaufen. Wenn es klappt, sollten diese unsere Cornerstone-Spieler sein, um die wir unser Team aufbauen. Wenn wir aber einen davon für mehrere (hohe) 1st Round-Picks traden können, ist das sicherlich eine Überlegung wert, da wir mit nur zwei Spielern keinen Titel gewinnen werden.

Wann startet man den Rebuild?

Wie schon erwähnt befinden sich alle Dynasty-Teams eigentlich ständig im Rebuild, nur das Ausmaß unterscheidet sich dabei. Die Antwort auf die Frage, wann man den Rebuild starten sollte, ist eigentlich relativ einfach: Sobald wir merken, dass wir den Titel nicht gewinnen werden.

Doch ist der Zeitpunkt der Verkündung wichtig. Es kann ja sein, dass wir schon vor der Saison wissen, dass wir mit dem Titel nichts zu tun haben werden. Zu diesem Zeitpunkt herrscht bei den meisten unserer Ligakollegen aber noch eine gewisse Unsicherheit, ob sie zu den Contendern gehören oder nicht, was sich unmittelbar auf ihre Risikobereitschaft in Trades auswirkt. Wenn wir allerdings bis Woche 5 oder 6 warten bis wir gewisse Spieler auf den Markt werfen, wissen die Contender, dass sie Contender sind und der Markt für diese Spieler ist größer als vor der Saison.

Rebuild kompakt

ArtDauerBuySell
Fließender Rebuild
  • gezieltes Adressieren der Needs
Anlauf1-2 Jahre
  • Picks im kommenden Draft
  • Verletzte Spieler, die nächstes Jahr elite sein können
  • Talentierte Spieler im Formtief / schlechter Situation
  • QB älter 35
  • RB älter 26
  • WR älter 30
  • TE älter 30
  • Gut punktende Spieler, deren Nützlichkeit auf dieses Jahr beschränkt ist (Backups verletzter Spieler)
Abrissmind. 2 Jahre
  • Picks
  • Spieler unter 25
  • Spieler älter 25 (QB älter 30)
  • Gut punktende Spieler, deren Nützlichkeit auf dieses Jahr beschränkt ist (Backups verletzter Spieler)
  • Spieler unter 25, für die wir mehrere (hohe) 1st Rounder bekommen
Lukas min 150x150 - Die Kunst des Dynasty-Rebuilds
Lukas

Geseke, NRW | Das erste Spiel, das ich gesehen habe, war der Superbowl XLVI New York Giants vs. New England Patriots. Seitdem trotz Niederlage Tom Brady-Fan | Hobby-Fantasy Football-Analytiker